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"Das sagt Jacques Herzog WIRKLICH" Bajour 14.11.23

Basta-Politikerin Tonja Zürcher macht mit dem Stararchitekten Stimmung für die Stadtklimaninitiativen. Doch ist er wirklich dafür? Bajour hat ihn gefragt. Valerie Zaslawski


Es wäre ein ziemlicher Abstimmungsboost, wenn ein Stararchitekt wie Jacques Herzog offiziell die Stadtklimainitiativen unterstützen würde. Wäre. Würde. Der Konjunktiv ist hier wichtig. Denn Herzog unterstützt das Begehren nicht.

Doch genau das hätte man denken können, nachdem Mit-Initiantin und Basta-Grossrätin Tonja Zürcher ihn Anfang Woche kurzerhand auf X, ehemals Twitter, zum Zugpferd der Initiativen machte.

Die Vorgeschichte: Herzog sagte vergangenes Wochenende im Interview mit der NZZ am Sonntag: «Stell dir vor, es gibt in jeder Strasse – und ich meine, in jeder einzelnen Strasse – doppelt so viele Bäume und halb so viel Asphalt wie heute. Es gibt wenige Strassen, wo dies nicht möglich wäre. Trotz Verkehr, trotz Leitungen im Boden und anderen technischen Hindernissen.» Um dies zu erreichen, betonte Herzog zudem in der Süddeutschen Zeitung, brauche es vor allem eines: «politischen Willen».

Diese Aussagen sind knapp zwei Wochen vor Abstimmung am 26. November über die Stadtklima-Initiativen freilich brisant. Gefordert werden vom Verein Umverkehr im Kanton Basel-Stadt mehr Bäume und eine klimafreundliche Mobilität. Zürcher kommentierte daraufhin: «Wenn Jacques Herzog und ich einmal gleicher Meinung sind, muss es ja stimmen.»


Auf Anfrage von Bajour sagt Herzog: «Ich unterstütze die Stadtklimainitiativen inhaltlich, ja. Aber so, wie sie ausformuliert sind, kann ich sie nicht unterstützen und lehne sie ab.» Denn: «Sie sind zu schwarz/weiss.»


Herzog fände es sinnvoller, einen Versuch zu machen, sich drei bis vier Strassen in einem Quartier anzuschauen und zu überlegen und konkret zu planen, wie man substantiell mehr Grün erreichen könnte. Dabei stellten sich Fragen: «Welche Hindernisse gibt es, wie kann man Büsche, Bäume pflanzen und unversiegelte Flächen erstellen trotz Leitungen und anderen infrastrukturellen Hindernissen?»


In einem zweiten Schritt würde man sich das Resultat anschauen und daraus eine Anleitung formulieren, «eine Art Handbuch für die ganze Stadt, statt einer Initiative». Die aktuelle Debatte verlaufe ihm zu sehr nach dem klassischen links-rechts-Schema. «Diese Art der Politik führt zum Stillstand», sagt er.


Ein Nein zu den Initiativen, aber ein Ja zu einem konkreten Versuch also. Denn Herzog bleibt dabei: «Wir brauchen doppelt so viel Grün.» Vor diesem Hintergrund möchte er auch nicht in den Abstimmungskampf hineingezogen werden Er sagt: «Ich möchte kein Zugpferd sein für irgendwelche Initiativen. Mich interessieren die Probleme der Stadt, die ich mit Kreativität und offenem Dialog, nicht mit ideologischen Scheuklappen und Verboten angehen möchte.»

Ist es also redlich, ihn dennoch vor die Initiativen zu spannen? Initiantin Zürcher sieht kein Problem. Sie findet, Herzog mache mit den klaren Äusserungen im Interview mit der NZZ am Sonntag «deutlich, dass die Begrünung von Städten, wie wir es mit den Stadtklima-Initiativen fordern, wichtig und machbar ist. Was es für die Umsetzung braucht, ist der politische Wille». Das habe sie gefreut. Seine Aussagen auf X seien mit Quellen hinterlegt.

Zürcher hoffe, dass viele, die noch etwas gezweifelt haben, nun motiviert Ja stimmen würden. Und: «In der Fachwelt ist der Wunsch und der Bedarf nach mehr Bäumen und Grünflächen in den Städten längst angekommen. Das zeigen nicht zuletzt auch diese Zitate von Jacques Herzog. Es ist klar, dass ein paar Topfpflanzen und Sprühnebel nicht reichen, um Basel im Sommer zu kühlen und die Lebensqualität zu verbessern.»

Bajour, 14.November 2023

Valerie Zaslawski


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